Porträtaufnahme einer jungen Person mit Down-Syndrom in einem Innenraum. Die Person sitzt vor einem ruhigen Hintergrund und blickt in die Kamera. Warme Farben und eine angenehme Lichtstimmung schaffen eine freundliche Atmosphäre.

Ein Blick, ein Lächeln – und plötzlich steht die Welt still... Die Begegnung mit einem Menschen mit Down-Syndrom kann tiefer berühren, als Worte greifen. Sie bleibt, leise und doch stark und erinnert daran, wie kostbar jedes Leben ist und wie sehr es unseren Schutz verdient – und wie viel wir Gesunden von diesen Menschen lernen können.

Vom Anderssein beeindruckt

Die gemütliche Wanderung dauerte schon ein paar Stunden. Deshalb freute ich mich, als nach der nächsten Wegbiegung das Bergrestaurant in Sichtweite kam. Doch das Restaurant war voll. «Kein Wunder, es ist schliesslich Mittagszeit», dachte ich bei mir und machte mich bereits wieder auf den Weg zum Ausgang. Da entdeckte ich zuhinterst einen grossen runden Tisch, an dem nur drei Personen sassen. Mit Erleichterung ging ich darauf zu. Als ich bei der Familie angekommen war, sah ich die Tochter mit Down-Syndrom. Ich zögerte kurz aus Verunsicherung, wie ich mich richtig verhalten sollte. Mein «Isch da no ä Platz frei?» klang denn auch etwas beklommen. Doch das freundliche «Ja, bitte» des Ehepaars ermutigte mich, mich hinzusetzen.

Sollte ich ein Gespräch beginnen? Bestärkt durch den freundlichen Ausdruck des Mädchens sagte ich mit Blick auf ihren schön angerichteten Teller: «Das Essen sieht gut aus». «Es schmeckt auch sehr gut» antwortete das Mädchen lächelnd. «Ich heisse Lucy*. Und du?», fragte sie mich. Als ich mich vorgestellt hatte, fragte ich sie aufgrund ihres österreichischen Dialektes, ob sie in der Schweiz Ferien machen würden. Das Ehepaar erwiderte, dass sie gerne ab und zu in die Schweiz kämen, um ein paar Ferientage in einem christlich geführten Hotel zu verbringen. Lucy erzählte voller Begeisterung, dass sie einmal an einem See waren. Dort sei sie sogar drin geschwommen. Das habe ihr sehr gut gefallen. Auch von einem Ausflug in einen Zoo und einer Bergfahrt erzählte sie mit leuchtenden Augen. Dank Lucys offenem und spontanem Wesen war meine anfängliche Befangenheit rasch überwunden. Zudem beeindruckte es mich, wie natürlich diese Familie miteinander umging. Da war keine Unsicherheit, keine Fokussierung nur auf die Behinderung. Die Eltern begegneten ihrer zwölfjährigen Tochter mit Ruhe, Selbstverständlichkeit und liebevoller Akzeptanz, was mich beeindruckte.

Durch das Äussere hindurchsehen

So unterhielten wir uns eine Weile über unsere Ferienerlebnisse. Dann war auch der Kaffee getrunken und die Rechnung bezahlt. Mit einem Hauch von Erstaunen stellte ich fest, dass das Down-Syndrom völlig in den Hintergrund gerückt war. «Es hat mich sehr gefreut, Sie kennenzulernen» sagte ich und stand auf. Als ich dabei war, mich zu verabschieden, kam Lucy überraschend um den Tisch herum und drückte mich ganz fest. In ihrer Umarmung lag so etwas Herzliches und Ehrliches, dass es mir ganz warm ums Herz wurde.

Wieder draussen musste ich einen Moment innehalten. Die Begegnung mit Lucy und ihr Wesen haben mich tief berührt. Von ihr ging so eine Wärme und eine Echtheit aus, die durch das Äussere hindurchsieht und ins Herz hineinwirkt. Ein Vorbild für uns «Gesunde».

Schön, dass es dich gibt, Lucy! Danke für die wertvolle Begegnung mit dir. Du bist so ein Segen und eine Bereicherung für diese Welt.

* Name geändert

Ein Junge mit einem Sparschwein im Arm steht vor einem dunkelrosaroten Hintergrund.

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